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Weihnachtsgedichte passend zum Weihnachtsbaum

Gedichte zum Thema Adventszeit

Gedichte zum Weihnachtsbaum und Weihnachtsgedichte

Dichter und Poeten haben schon immer gerne während der besinnlichen Adventszeit ihr Wissen niedergeschrieben. Sie finden hier eine Sammlung einiger Gedichte zum Thema Adventszeit. Es sind Weihnachtsgedichte passend zum Weihnachtsbaum. Tannenbäume finden Sie hier.

An der Strassenecke

An der Strassenecke, in der Häuser Gedränge,
in der Grossstadt wogender Menschenmenge,
inmitten von Wagen, Karren, Karossen
ist heimlich ein Märchenwald entsprossen,

Von leisem Glockenklingen durchhallt,
von Weihnachtsbäumen ein Tannenwald.
Da hält ein Wagen, ein Diener steigt aus
und nimmt den grössten Baum mit nach Haus.
Ein Mütterchen kommt, und prüft und wegt,
bis endlich den rechten sie heimwärts trägt.

Verloren zur Seite ein Stämmchen stand,
das fasste des Werkmanns ruhige Hand.
So sah ich einen Baum nach den andern
in Schloss und Haus und Hütte wandern,
und schimmernd zog mit jedem Baum
ein duftiger, glänzender Märchentraum.

Frohschaukelnd auf der Zweige Spitzen
schneeweissgeflügelte Englein sitzen.
Die einen spielen auf Zinken und Flöten,
die andern blasen die kleinen Trompeten,
die wiegen Puppen, die tragen Konfekt,
die haben Bleisoldaten versteckt,
die schieben Puppentheaterkulissen,
die werfen sich mit goldenen Nüssen,
und ganz zuhöchst, in der Hand einen Kringel,
steht triumphierend ein pausbackiger Schlingel.

Da tönt ein Singen, ein Weihnachtsreigen
verschwunden sind alle zwischen den Zweigen.
Am Tannenbaum hängt, was in Händen sie trugen.
Ein Jubelschrei schallt; und von unten lugen
mit Äuglein, hell wie Weihnachtslichter,
glückselig lachende Kindergesichter.

Jakob Loewenberg 1856 - 1929

Christbaum

Hörst auch du die leisen Stimmen
aus den bunten Kerzlein dringen?
Die vergessenen Gebete
aus den Tannenzweiglein singen?
Hörst auch du das schüchternfrohe,
helle Kinderlachen klingen?
Schaust auch du den stillen Engel
mit den reinen, weissen Schwingen?
Schaust auch du dich selber wieder
fern und fremd nur wie im Träume?
Grüsst auch dich mit Märchenaugen
deine Kindheit aus dem Baume?

Ada Christen 1841 - 1901

Christbaum

Der Winter ist ein karger Mann,
er hat von Schnee ein Röcklein an;
zwei Schuh von Eis
sind nicht zu heiss,
von rauhem Reif eine Mütze
macht auch nur wenig Hitze.

Er klagt: "Verarmt ist Feld und Flur!"
Den grünen Christbaum hat er nur,
den trägt er aus in jedes Haus,
in Hütten und Königshallen,
den schönsten Strauss von allen!

Friedrich Wilhelm Weber 1813 - 1894

Das Tannenbäumchen

Im Wald, unter hohen Buchen versteckt,
hat sich ein Tannenbäumchen gereckt.
"Ich steh so ganz im Dunkel hier,
keine Sonne, kein Sternlein kommt zu mir,
hört nur die anderen davon sagen,
ich darf mich nicht vom Platze wagen.
Ach, ist das eine traurige Geschicht’,
und ständ so gern auch mal im Licht!"

Hoch durch den weiten Weltenraum
verloren flog ein goldner Traum,
flog hin und her im Lichtgefieder
und dacht: Wo lass ich heut mich nieder?
Ist wo ein Hüttchen dunkel und arm?
Hat wo ein Seelchen Kummer und Harm,
dem ich auf meinen leuchtenden Schwingen
könnt heute eine Freude bringen? -

Das Bäumchen steht in Licht und Schein.
Wie mag das wohl gekommen sein?

Jakob Loewenberg 1856 - 1929

Das Tannenbäumchen

Du dort in der Waldeskluft
Dunkelgrün mit harz’gem Duft,
Sprich, was willst du einst auf Erden,
Schmuckes Tannebäumchen ! werden?

Willst du stehn am Weg als Bank?
Sagt der Wandrer: Schönen Dank!
"Hat er erst bequem gesessen,
Wird er Rast und Dank vergessen."

Willst du First sein auf dem Dach?
"Sturm und Blitze drohn ihm Schmach."
Willst du sein ein Schiff im Meere?
"Fürchte mich vor Riff und Schere."

Willst du sein die Totentruh’,
Wo da waltet tiefe Ruh?
"Möchte fast danach mich sehnen,
Fielen drauf nicht bittre Tränen."

Werde nur erst stark und groß,
Findet sich von selbst dein Los.
"Zu erfreun, gleich hingegeben,
Hätt’ ich gern mein junges Leben."

Dacht’ ich’s doch; vom neuen Haus
Willst du wehn als Meisterstrauß.
"Ach! Der muss nach wen’gen Tagen
Seinem lust’gen Thron entsagen."

Ei, was willst du sonst denn sein?
Bist zu allem noch zu klein.
"Wer beglücken kann, der eile;
Kurzes Leben lässt nicht Weile."

"Borge meinen Reisern hold
Nüss’ und Äpflein, blank von Gold,
Zwischen meinem ernsten Dunkel
Weck’ ein fröhlich Lichtgefunkel."

"Und zur heil’gen Weihnachts stell’
Heimlich mich ins Stübchen hell;
In der Kinder lieb Gewimmel
Bring’ ich dann - den ganzen Himmel."

Karl Gottfried Ritter von Leitner 1800 - 1890

Das Weihnachtsbäumlein

Es war einmal ein Tännelein,
mit braunen Kuchenherzelein
und Glitzergold und Äpfelein fein
und vielen bunten Kerzelein.
Das war am Weihnachtsfest so grün,
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stand’s im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln war’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tages der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
hei! tat’s da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Christian Morgenstern 1871 - 1914

Den Lichtgenossen

Hundert Kerzen trägt die Fichte,
prangt in ihrem Silberlichte,
wie ein reicher Märchentraum. -
So als hundert Seelenflammen
stellt das Schicksal uns zusammen,
Lichter uns am Lebensbaum.

Und wir Nachbarn in der Runde
einen uns zum Feuerbunde:
Heller strahlt ein heit’rer Glanz!
Wo der eigne Schimmer endet,
was der andern Glut gespendet,
wohl kein Flämmchen weiß es ganz.

Doch wenn eines tiefer brannte,
schneller seine Kraft versandte,
flackernd in die Nacht verging:
Merkt ein jedes von uns Frohen,
die noch ruhig weiterlohen,
was es Licht von ihm empfing!

Einmal dann im Dämmerraume
am verödet düstern Baume
brennt ein letztes noch allein.
Von sich selber nur zu zehren
in dem Dunkel, in dem leeren -
Mög nicht ich dies letzte sein.

Hanns von Gumppenberg 1866 - 1928

Der Bratapfel

Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel.
Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.

Autor: Fritz Kogel

Des Armen Christbäumchen

Kind:
O Mutter, was hab’ ich ein Bäumchen gesehn,
War voll von Kerzen, die brannte so schön;
Da glänzten von Gold und von Silber so viel,
Zum Essen so vieles, so Schönes zum Spiel.

Sie sagten das habe zur heiligen Nacht
Christkindchen herab vom Himmel gebracht;
Christkindchen hat uns doch alle so wert,
Warum hat’s mir kein Bäumchen beschert?

Mutter:
Dein Bäumchen steht im Himmel noch
Und hast du’s auch nicht, es gehört dir doch;
Und kommst dereinst zu des Himmels Höh’n,
Dann ist ein Baum gar groß und schön.

Heinrich Bone 1813 - 1893

Der Traum

ich lag und schlief, da träumte mir
ein wunderschöner Traum.
Es stand auf unserm Tisch vor mir
ein hoher Weihnachtsbaum.

Und bunte Lichter ohne Zahl,
die brannten ringsumher;
die Zweige waren allzumal
von goldnen Äpfeln schwer,

Und Zuckerpuppen hingen dran,
das war mal eine Pracht!
Da gab’s, was ich nur wünschen kann
und was mir Freude macht.

Und als ich nach dem Baume sah
und ganz verwundert stand,
nach einem Apfel griff ich da,
und alles, alles schwand.

Da wacht ich auf aus meinem Traum,
und dunkel war’s um mich.
Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
sag an, wo find ich dich?

Da war es just, als rief er mich,
"Du darfst nur artig sein,
dann steh ich wiederum vor dir,
jetzt aber schlaf nur ein!

Und wenn du folgst und artig bist,
dann ist erfüllt dein Traum,
dann bringet dir der heil’ge Christ
den schönsten Weihnachtsbaum".

Hoffmann von Fallersleben 1798 - 1874

Der Christbaum

Gott in der Höh’ allein sei Ruhm und Ehre Und Menschen guten Willens Freud’ und Frieden! Frohlocket, gross und klein! Nun sprosst hienieden Der Christbaum uns, der ewig grüne, hehre! Hin starb die Welt, die trost- und liebeleere, Den Fluren gleich, die Sommerlust gemieden. Da ward uns jener Heilesbaum beschieden, Das Kreuz, an Hoffnung reich und sel’ger Lehre. Licht blüht aus seiner Krone, Himmelsgaben Trägt er, das Herz durch höhern Trost zu laben Als aller Weisen Kunst und Erdenschätze. Denn froh verkündigt ist im Engelliede Des Höchsten Ehr’ und guter Menschen Friede, Und Liebe heisst die Summe der Gesetze.

Franz von Pocci 1807 - 1

Der Christbaum im März

Rings umhaucht von Frühlingslüften
In des Gartens sanftem Winkel,
An den Bretterzaun gelehnt,
Steht im März der alte Christbaum.

Der vordem an Weihnachtstagen
Hell gestrahlt im Lichterscheine,
Kahl nun längst und bar des Schmuckes
Trauert er im Sonnenlichte.

Seltsam fremd schaut hin der Arme
Auf das junge Blütenleben;
Knospen schon treibt der Holunder;
Ihm zu Füssen blühn die Primeln.

Die ihn fröhlich einst umtanzten
Im Dezembermond, die Kinder,
Würd’gen spielend keines Blick’s ihn,
Und der Gärtner stösst ihn seitwärts.

Selbst die Spatzen, die im Winter
Schutz gesucht in seinen Zweigen,
Schau’n verächtlich auf ihn nieder,
Und wie Hohn erschallt ihr Zwitschern

Und er denkt: oh, ständ ich wieder
Einmal noch im grünen Walde,
Dürft’ ich blühen mit den Brüdern
Und wie sie im Walde rauschen!

Eitler Wunsch! Erkenntnis sagt ihm:
Seine Zeit ging längst vorüber,
Überflüssig und vergessen,
Ist er längst sich selbst zur Last.

Und er wünscht: Mitleid’ge Hand
Machte rasch der Pein ein Ende,
Bräch’ ihn ganz und liess in Flammen
Ihn empor zum Himmel lodern.

Albert Moeser 1835 - 1900

Der erste Weihnachtsbaum im eigenen Heim

Du warst mir heilig immer
Seit früh’stem Kindheitstraum,
Im goldnen Strahlenschimmer,
Du lichter Tannenbaum!

Wie ich in Nacht mich härmend,
Auch rang in tiefster Qual,
Du sandtest, still erwärmend,
In meine Brust den Strahl!

Doch heut zum schönsten Feste,
Heut strahle wie noch nie!
Streck’ segnend deine Äste
Hin über mich uns sie!

Flamm’ auf im Glanz der Kerzen! -
Oh wie du schön erscheinst,
Nun du zwei junge Herzen
Zum ersten Mal vereinst!

Ernst Scherenberg 1839 - 1905

Der letzte Weihnachtsbaum

Jetzt lösch’ ich den jährlichen Weihnachtsbaum
Auf immer und ewig aus!
Der Herzen erfreuende Kindertraum
Brennt nie mehr in unserem Haus.

Schon holt’ ich der Mutter ein Fichtenreis
Und schmückt’ es dem Wiegenkind!
Sie wiegte davor ihr Söhnchen leis,
Sah fast an den Kerzen sich blind.

Im Himmel wer sagt, auf Erden wer weiss:
Was wir da gemeint und gedacht!
Wir schlossen uns stumm in die Arme so heiss
Und weinten vor heiliger Macht.

Denn "Vater und Mutter" das waren nun wir!
Und das Kind vom Himmel war da!
Hell über uns war zu unserer Zier
Uns der Stern, der leuchtende, nah!

Dann traten, mehr Jahre, mehr Kinder heran,
Und freuten die Nacht sich nicht aus -
Das war das ewige Leben! Kein Wahn,
In Segen stand da das Haus!

Jetzt - ist die Mutter gestorben und hin!
Die Kinder sind alle nun gross.
Nun steh’ ich einsam mit brütendem Sinn,
Fort, Baum, in der Götter Schoss!

Jetzt lösch’ ich den letzten Weihnachtsbaum
Auf immer und ewig aus!
Aus ist der tote, verlebte Traum
Und finster bleibt mir das Haus.

Leopold Schefer 1784 - 1862

Der schönste Baum

Sag’ an, wie heisst der schönste Baum
Auf diesem Erdenrund,
Seit einst im Paradiesesraum
Der Baum des Lebens stund?

Die Palme grüsst im Morgenland
Des Pilgers Aug’ entzückt,
Wenn ragend er im Wüstensand
Ihr hohes Haupt erblickt.

Schön ruht sich’s an der Eiche Fuss,
Wenn durch den grünen Wald
Der Jägerschar des Waldhorns Gruss
Zum muntern Mahle schallt.

Die Linde glüht im Abendglanz,
Umweht von Blütenduft,
Wenn durch das Dorf zum Erntetanz
Des Spielmanns Fiedel ruft.

Doch schöner glänzt im Kerzenschein
Der Tannenbaum, fürwahr!
Wenn nur der Vater ruft "Herein!"
Der frohen Kinderschar.

Wenn dann ins lichte Heiligtum,
Geblendet und entzückt,
Vor Freude bang, vor Staunen stumm,
Das Kindervolk sich drückt;

Wenn wonnevoll der Eltern Blick
Sich auf die Kleinen senkt
Und an der eignen Kindheit Glück
Mit süsser Wehmut denkt:

Da blüht in finstrer Winternacht,
Umstarrt von Schnee und Eis,
Ein Frühling auf in bunter Pracht
Am dunklen Tannenreis.

Da bringt der schlichte Tannenbaum
Des Paradieses Glück,
Der ersten Unschuld Kindheitstraum
Der armen Welt zurück.

Und draussen blickt der Sterne Schar
Mir wunderholdem Schein
Wie Engelsaugen mild und klar
Vom Himmel hoch herein.

Und aus der Himmel Himmel sieht’s
Herab mit Vaterblick,
Und durch die dunkeln Lüfte zieht’s
Wie himmlische Musik.

Also hat Gott die Welt geliebt,
Dass er aus freiem Trieb
Und seinen Sohn zum Heiland gibt;
Wie hat uns Gott so lieb!"

Karl Gerok 1839 - 1911

Der Weihnachtsbaum

Schön ist im Frühling die blühende Linde,
bienendurchsummt und rauschend im Winde,
hold von lieblichen Düften umweht,
schön ist im Sommer die ragende Eiche,
die riesenhafte, titanengleiche,
die da in Wetter und Stürmen besteht,
schön ist im Herbst des Apfelbaums Krone,
die sich dem fleissigen Pfleger zum Lohne
beugt von goldener Früchte Pracht,
aber noch schöner weiss ich ein Bäumchen
strahlt in der eisigen Winternacht.

Keiner kann mir ein schöneres zeigen,
Lichter blinken in seinen Zweigen,
goldene Äpfel in seinem Geäst,
und mit schimmernden Sternen und Kränzen
sieht man ihn leuchten, sieht man ihn glänzen
anmutsvoll zum lieblichen Fest.
Von seinen Zweigen ein träumerisch Düften
weihrauchwolkig weht in den Lüften,
füllet mit süsser Ahnung den Raum!
Dieser will uns am besten gefallen,
ihn verehren wir jauchzend von allen,
ihn, den herrlichen Weihnachtsbaum!

Heinrich Seidel 1842 - 1906

Die Weihnachtsbäume

Nun kommen die Weihnachtsbäume
aus dem Wald in die Stadt herein.
Träumen sie ihre Waldesträume
weiter beim Laternenschein?

Konnten sie sprechen! Die holden Geschichten
von der Waldfrau, die Märchen webt,
was wir uns alles erst erdichten,
sie haben das alles wirklich erlebt.

Da stehn sie nun an den Strassen und schauen
wunderlich und fremd darein,
als ob sie der Zukunft nicht recht trauen,
es muß doch was im Werke sein.

Freilich, wenn sie dann in den Stuben
im Schmuck der hellen Kerzen stehn,
und den kleinen Mädchen und Buben
in die glänzenden Augen sehn,

dann ist ihnen auf einmal, als hätte
ihnen das alles schon mal geträumt,
als sie noch im Wurzelbette
den stillen Waldweg eingesäumt.

Dann stehen sie da, so still und selig,
als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
als hätte sich ihnen doch allmählich
ihres Lebens Sinn enthüllt;

als wären sie für Konfekt und Lichter
vorherbestimmt, und es müßte so sein,
und ihre spitzen Nadelgesichter
sehen ganz verklärt darein.

Gustav Falke 1853 - 1916

Heiliger Abend

Der Pfarrturm, der alte, treu hält er die Wacht.
Nun singt er den Gruss der heiligen Nacht,
aber das Läuten, du hörst es kaum,
zu viel Lärmen ist sonst im Raum.
Auf dem Marktplatze jetzt um den Brunnen herum,
was ist doch da für ein Gesumm,
und tönt in alle Gassen aus
und in den Gassen in jedes Haus,
denn ach, des Weihnachtsbaumes Geflimmer,
die höchste Lust, blüht ja im Zimmer!

Noch stellt dem Heiligsten sich vor
die Zimmertür als Himmelstor,
wie stürmen sie im dichten Wall
dagegen an, die Sel’gen all!

Fasst ihr’s, ihr Kinder gross und klein?
Minuten noch, dann geht’s hinein!
Und drin wird’s heller, heller, heller,
horch, klapperte das nicht wie Teller?
Und roter werden noch die Backen,
ich glaub, das klang wie Nüsseknacken!
Da huschte ein Schatten vors Schlüsselloch:
"Ach, lieber Papa, nun öffne doch!"
"So ungeduldig?" "Ach, Väterchen, nein,
ich mein ja nur so!" "Nun, Völkchen, herein!"

Da quillt aus offnem Gnadentor
ein Strom von goldenem Licht hervor.
Im Jubel bebt der Fuss zurück,
weit auf das Auge, dann schliesst sich’s vor Glück,
lässt blinzelnd nun und Schein auf Schein
nur fünkchenweise Licht herein;
dann öffnet sich’s, wie’s nur kann, so weit,
hinein denn in die Seligkeit!

Dort stehen die Alten Arm in Arm
und lächeln auf den Bienenscharm,
wie um den Tisch in wilder Flucht
ein jedes nach seinem Honig sucht.
Das ist ein Gucken, Fragen, Lachen.
Erstaunen und Gesichtermachen,
denn, was ein jeder Platz enthält,
aufblüht’s zu einer Wunderwelt
und wandelt Pfefferkuchenduft
zu Fee und Kobold in der Luft.
Die Braune dort, gibt sie nicht schon
der Puppe mütterlich Lektion?
Die andre mit der kleinen da,
fühlt sie sich nicht als Grossmama?
Doch du, du Bürschlein, blond und wild,
bist meiner Kindheit Ebenbild;
ich weiss, von Reisen unerhört
kommst eben du auf dem Schaukelpferd,
und wie du das Gewehr genommen,
mögen nur die Franzosen kommen!
Wie du, führt ich die Zinnsoldaten
zu ungeahnten Heldentaten,
hab mit dem Holzschwert, wie du heut,
einst manches Land vom Tyrannen befreit
wie du, mit der Knallpistole jetzt
den Drachen Todesschüsse versetzt.
Bursch, wie’s mich selig übertaut!
Ich glaub, ich steck in deiner Haut,
weiss wieder, als hätt’ ich mich nie geirrt
wie hold die Zukunft blühen wird,
weiss, wie ich einst aus dem Verstecke
die Tugend ruf, die Sünder schrecke,
und Taten dabei vollführe, Taten,
wie keinem Helden sie je geraten,
daneben aber als grosser Mann
Besuche mit Kuchen traktieren kann,
bis, wie die Bleient’ um den Magnet,
um meinen Willen die Welt sich dreht,
bis niemand, als Papa allein,
mir reden darf ein Wörtchen drein,
bis ich, der glücklichste Mann der Erde,
Konditor oder König werde! . . .

Doch schweigend sehn in guter Ruh
die Alten all dem Treiben zu,
denn keusch aus der Vergangenheit
grüsst sie die eigne Kinderzeit.
Die Hände, die einst sie bedacht,
die Augen, die einst sie bewacht,
sie tauchen bei der Kleinen Lust
wehmütig auf in ihrer Brust,
und was noch Ausweg sucht im Wort,
nach innen bald spinnt’s weiter fort.
Doch auch der Kleinen Freudenbraus
klingt nun in leises Summen aus,
wie Lerchentriller leiser wird,
je näher er dem Himmel schwirrt.
Und feierlich durchweht den Raum
Dein duft, du lieber Tannenbaum,
der du, wenn’s draussen kahl und wüst,
wie Hoffnung in der Trauer glühst.
Aus jeder Lichterblume blüht
Ein Fünkchen Frieden ins Gemüt.
Du machst das Leben ja zum Traum,
den Traum zum Leben, Weihnachtsbaum,
gibst Glück dem, der’s verlor, zurück,
Glück des Beglückens, reinstes Glück.

Ferdinand Avenarius 1856 - 1923

Heiliger Baum

Heiliger Baum, paradiesischem Boden entsprossen,
Hast du denn wieder die flammenden Blüten erschlossen?
Haben bei Nacht Engel dich wiedergebracht
Sündigen Erdengenossen?

Heiliger Baum, uns vom himmlischen Vater entzündet,
Dass er in Liebe die Kinder des Höchsten verbündet!
Grünender Reis mitten im Schnee und Eis,
Das uns den Frühling verkündet!

Heiliger Baum, so verbreite die duftenden Äste
Wieder durch, niedrige Hütten und stolze Paläste,
Lade herein in den entzückenden Schein
Tausend beseligte Gäste!

Kommet, ihr Kinder, ihr seid ja vor allen erkoren!
Tretet herein zu den leuchtend geöffneten Toren!
Freut euch des Herrn, sieht er die Kleinen doch gern,
Der als ein Kind ist geboren.

Kommet, ihr alten, gedenket verklungener Wonnen,
Kommt, in der Freude der Kleinen euch selber zu sonnen,
Grün ist der Baum, doch wie ein goldener Traum,
Ach, ist die Jugend verronnen!

Kommet, ihr Armen, den König der Liebe zu grüßen;
Ward er doch arm, um den Armen ihr Los zu versüßen;
Hirten vom Feld kamen, von Engeln bestellt,
Sanken dem Kindlein zu Füßen.

Kommet, ihr Reichen, und habt ihr den Baum euch behangen,
Lasset ein Bäumchen für Witwen und Waisen noch prangen!
Seliger ist - lernt es vom heiligen Christ -
Geben als Gaben empfangen.

Kommet, ihr Weisen, und folget dem strahlenden Sterne!
Werdet mit Kindern zu Kindern, so führt er euch gerne,
Wie er die Spur zeigte nach Bethlehems Flur
Pilgernden Weisen von ferne.

Kommet, ihr Heiden, heran von entlegenen Gestaden!
Kommet und sonnt euch im Lichte der göttlichen Gnaden,
Unter dem Baum ist noch für Tausende Raum,
Alles, was Mensch, ist geladen!

Heilige Tanne! - Die Eiche der heidnischen Alten
Stürzte, vom Beil des Apostels der Deutschen gespalten;
Aber dein Grün soll noch Jahrtausende blüh’n!
Amen! Der Höchste wird’s walten!

Karl Gerok 1815 - 1890

Tannen

Der Birschgang führte mich ins Tal
Zu immer grünen Tannen
Mir war’s, als wollten sie zumal
Mich von der Stelle bannen.

Doch ragten sie in Waldeslust
Wie wunderschlanke Dirnen.
Es quoll des Harzes frischer Duft
Aus schwarzumlockten Stirnen.

Es mahnte mich der süsse Hauch
An fröhliche Weihnachten
Und an des Pfeffertages Brauch,
An wilde Knabenschlachten.

Die schönen Zeiten sind entflohn
Und kehren nimmer wieder,
Als in der Leier weichem Ton
Der Wehmut sanfte Lieder.

In meine Seele trat geschwind
Mein liebstes Bild: ich dachte,
Wie mir daheim ob meinem Kind
Die holde Gattin wachte.

Nun fasst ich ohne Unterlass
Ein Tännchen in die Augen,
Das soll fürwahr als Weihnachtsspass
Für meinen Buben taugen!

Alexander Graf von Württemberg 1801 - 1844

Weihnachten

Ein Bäumlein grünt im tiefen Tann,
das kaum das Aug’ erspähen kann.
Dort wohnt es in der Wildnis Schoss,
und wird gar heimlich schmuck und gross.

Der Jäger achtet nicht darauf,
Das Reh springt ihm vorbei im Lauf;
Die Sterne nur, die alles sehn,
Erschauen auch das Bäumlein schön.

Da mitten in des Winters Graus, erglänzt es fromm im Elternhaus. Wer hat es hin mit einemmal Getragen über Berg und Tal?

Das hat der heilige Christ getan!
Sieh dir nur recht das Bäumlein an!
Der unsichtbar heut eingekehrt,
Hat manches Liebe dir beschert.

Autor: Martin Greif 1839 - 1911

Zu Weihnachten

Das ist der liebe Weihnachtsbaum.
Ja solch ein Baum!
Der grünt bei Schnee, der glänzt bei Nacht
wie die himmlische Pracht,
trägt alle Jahre seine Last,
Äpfel und Nüsse am selben Ast,
Zuckerwerk obendrein -
so müßten alle Bäume sein!
Nun hat ihn gebracht der Weihnachtsmann,
drei Kinder steh’n und seh’n ihn an.

Das erste spricht:
"Der ist doch Weihnacht das Schönste, nicht?"
Das andre: "Woher an Äpfeln und Nüssen
Gold und Silber wohl kommen müssen?
Ich denk mir, das Christkind fasste sie an,
gleich war Gold oder Silber dran."
Das dritte: "Christkind müsste einmal
den ganzen Wald so putzen im Tal;
dann würde gleich aller Schnee zergeh’n,
und dann - das gäb ein Spazierengeh’n!"

Victor Blüthgen 1844 - 1920